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Wiege des Skijaksports

AUSSTELLUNG IM KULTURQUARTIER LEOBEN

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AUSSTELLUNG IM KULTURQUARTIER LEOBEN

Die Wiege des Skijaksports

 

Erfunden wurde das Sportgerät in Kapfenberg, doch als „Wiege des Skijaksports“ gilt Leoben bzw. die Mur im Stadtgebiet, seit in den 1930-er-Jahren der Montanstudent Harald Strohmeier speziell die Floßgasse im Wehrbereich des Flusses zum bevorzugten Trainingsort wurde. Bis heute lebt dieser Sport und dank den aktiven Paddelfreunden des Trofaiacher Klubs ASK Raiffeisen, der Plattform PEDES und dem „Austria Skijak Center“ am Trabochersee gilt die Region um Leoben als weltweite „Skijak-Hauptstadt“.

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Harald Strohmeier Anfang der 1930-er-Jahre bei Befahrung der Flossgasse in der Kremplwehr

Die Entwicklungsgeschichte der ur-steirischen Wassersportart ist das Thema einer Ausstellung im Leobner Kulturquartier. Hinter dieser besonderen Kultur- und Sportveranstaltung mit dem Titel „Skijak - Der Traum vom Gehen übers Wasser“ verbirgt sich zum einen ein uralter Menschheitstraum, zum andern dokumentiert er die Historie des Skijaksports.

Die Wurzeln des Skijaksports reichen bis in die frühen 1930er-Jahre zurück und liegen in der obersteirischen Industrieregion rund um Leoben und Kapfenberg. Für den Montanistik-Studenten Harald Strohmeier waren vor allem die Mur im Stadtgebiet von Leoben und die „Gösser Teiche“ hervorragende Anwendungsgebiete für seine Erfindung und speziell die Floßgasse am Murwehr gehörte zu den bevorzugten Trainingsorten bzw. als idealer Standort zur Erprobung seiner Verbesserungen beim Bau des Sportgeräts.

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Fotos: Die Gösserteiche waren Schauplatz von Vorführungen und Testfahrten

Grundlage der Ausstellung ist das Erscheinen des ersten umfassenden Buches über den ur-steirischen Wassersport Skijak. Der Autor Mag. Robert Koch ist Journalist, Pädagoge und seit mehr als vier Jahrzehnten Chronist dieser außergewöhnlichen Sportart. Die Publikation widmet sich dem Erfinder Harald Strohmeier (1912–1995) und beleuchtet 75 Jahre Skijak-Geschichte von 1949 bis 2024.

 

Einen Teil dieser Geschichte schrieb auch Steiermarks Hauptfluss – die Mur. Seit den frühen 1930-er-Jahren, als der Fluss großteils noch ungehindert dahinfloss, war vor allem der Abschnitt von Knittelfeld bis Bruck/Mur für den passionierten Skilangläufer Harald Strohmeier, jener bevorzugte Flussbereich, auf dem er seinen Traum vom „Gehen auf dem Wasser“ vorantrieb.

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Fotos: Harald Strohmeier beim Training auf der Mur 1931 (1) und 50 Jahre später (2)

Ursprünglich als Sommertrainingsgerät für den Skilanglauf erdacht, entwickelte sich daraus mehr und mehr eine eigenständige Sportidee und in Kombination mit den technischen Möglichkeiten durch die Montanhochschule sowie dem unbändigen Erfindergeist des umtriebigen Sportlers wuchsen Anforderungen und Anwendungsmöglichkeiten. Die Wellen der Mur und speziell die Floßgasse am Wehr in Leoben ließen die Stadt zur „Wiege des Skijaksports“ werden – bis heute.

 

Auch in der modernen Ära des Sports seit 1981 blieb diese Verbundenheit erhalten. Mit einer Diplomarbeit an der Sportuni Graz wuchsen Nachfrage und Anwendergruppe in großem Ausmaß – Teil dieses ersten großen Booms war auch der Trofaiacher Robert Koch, dessen erste „gehende“ Meter auf dem Fluß die Befahrung der Mur von Göß bis Leoben waren. „Wir kletterten bei Dunkelheit knapp vor dem Wehr bei der Bahnhofsbrücke aus dem Wasser“, kann sich Koch noch heute erinnern. Für ihn war schon bald klar, dass die Mur mit ihren paddeltechnischen Möglichkeiten auch weiterhin eine große Rolle in der Entwicklung des Skijaksports spielen würde.

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Fotos: Robert Koch (li.) und Werner Laure und Rupert Seitner im Tandem beim Start zum ersten Klub-Abpaddeln 1984 auf der Mur (1) und bei der Einfahrt in Leoben (2)

Bereits im Herbst 1984 setzte der neu gegründete Trofaiacher Skijakklub mit Obmann Robert Koch und seinen ambitionierten Mitstreitern Werner Laure und Rupert Seitner an der Spitze diese Tradition fort und führte das „1. klubinterne Abpaddeln“ zwischen Hinterberg und dem Leobner Stadtgebiet durch.

 

Daraus wuchs eine Tradition, die bis zum heutigen Tage erhalten blieb, denn alljährlich am 1. Mai und am 26. Oktober wird mit dem „Anpaddeln“ bzw. „Abpaddeln“ die Skijaksaison gestartet bzw. beendet – Ausnahmen inklusive. Eine dieser Ausnahmen war die langjährige Teilnahme am „Weihnachtsschwimmen“ der Leobner Rettungsschwimmer in den 1980-er-Jahren.

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Fotos: Die Zufahrt zur Waasenbrücke aus Sicht des Paddlers (1) und bei der Durchfahrt in Leoben (2)

1985 war Leoben erstmals Etappenort einer „Steiermark-Durchquerung“, als die Trofaiacher Skijaksportler zur Befahrung der Mur von Predlitz bis Spielfeld aufriefen. 250 km legte man dabei in 4 ½ Tagen zurück – „eine teilweise beschwerliche Befahrung durch die Vielzahl an Staukraftwerken und in Anbetracht der fürchterlichen Wasserqualität vor allem ab den Industriezonen am Fluß auch eine unangenehme Tortour“, zog damals Koch ernüchterte Bilanz.

 

1986, 1991 und 1994 folgten Protestfahrten in Etappen von Predlitz bis Graz, wobei Leoben jeweils Etappenziel und Übernachtungsort war. Wie überhaupt die Strecke zwischen St. Michael und Leoben die bevorzugte Strecke für die Befahrungen des Flusses durch die Trofaiacher Skijak-Community wurde – bis heute.

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Fotos: Zwischen 1985 und 1994 befuhren die Skijaksportler im Rahmen von Protestaktionen mehrfach die Mur mit Zischenstation in Leoben

1988 nahm Skijak-Erfinder Harald Strohmeier erst- und einmalig am „Abpaddeln“ des Klubs teil und der knapp 76-Jährige genoss sichtlich die Rückkehr auf jene Wellen, die seine Jugendtage geprägt hatten. Zwei Jahre später ließ ein Schlaganfall keine weiteren aktiven Skijakabenteuer des Pioniers zu.

 

Nach dem Niedergang der Sportart zu Beginn des Jahrhunderts blieb die Befahrung der Mur zumeist das letzte Relikt in Erinnerung an goldene Zeiten. Nichtsdestotrotz behielten die Touren zwischen Preg – St. Michael – Leoben ihren Reiz für die unermüdlichen Skijaksportler des inzwischen letzten weltweit verbliebenen Vereins, den ASK Raiffeisen Trofaiach. Mit familiärem Zuspruch und Heranwachsen einer neuen Skijak-Generation wuchs auch wieder das Interesse an den Befahrungen und ab 2010 erweiterte der Klub auch sein Spektrum an Booten durch Anschaffung von Schlauchbooten.

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Fotos: Abpaddeln 1988 mit Skijak-Pionier Haralkd Strohmeier (links im Bild) und den ASK-Sportlern Walter Zechner, Bertl Griesebner, Robert Koch und Günther Steindl (1) -  Das Paddeln auf der Mur wurde zum Event für Jung und Alt (2)

Neben den alljährlichen Befahrungen nahmen die Skijaksportler auch an dem seit 2017 veranstalteten „Mur-Marathon“ teil, der von Großlobming bis Leoben führt. Zwischen St. Stefan bzw. St. Michael und Leoben wurden dabei 2018, 2019 und 2023 auch Österreichische Skijak-Meisterschaften abgehalten, die jeweils vom Dominator der Szene seit der Jahrhundertwende, Wolfgang Judmaier, gewonnen wurden.

Mit dem Klubmotto „Erlebnis statt Ergebnis“ hat sich der ASK vor allem seit Coronakrise und strukturbedingtem Neustart in der gesteigerten Freizeitwelt klar positioniert und das gemeinsame Erleben in der Gruppe klar an die Spitze seines Programms gestellt. Diese Maßnahmen und die gewachsene Wahrnehmung in der Öffentlichkeit dank Erscheinen des ersten Skijakbuches und den Ausstellungen in Trofaiach und Leoben scheinen prädestiniert zu sein, dem Skijaksport auch 2030 die entsprechende Aufmerksamkeit und Nachfrage zu bescheren, wenn es heißt: 100 Jahre Skijaksport.

 

Darauf trinken wir ein Gläschen. Potsch noß.

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Foto: 2018 am Start zur Österreichischen Skijakmeisterschaft im Rahmen der 2. Murchallenge in St. Stefan o.L.

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