SKIJAKHOCHBURG TROFAIACH

ASK Raiffeisenbank Trofaiach hält steirische Sportart hoch

 

Es hätte ein großes Jubiläumsjahr werden sollen, doch die Corona-Pandemie machte den Bemühungen einen Strich durch die Rechnung. Für den Allgemeinen Sportklub (ASK) Raiffeisenbank Trofaiach war das abgelaufene Jahr eine „Achterbahn“, denn neben einer dicht gefüllten Palette an Klubangeboten mussten die „Highlights“ rund um die Wassersportart Skijak verschoben werden.

90 Jahre Skijaksport und das „Strohmeier Memorial“ im Gedenken des 25. Todestags von Erfinder und Pionier Harald Strohmeier standen heuer am Programmplan des wahrscheinlich letzten Skijakvereines der Welt – jener Sportart, die als Prototyp des „Wassergehens“ gilt. Und es hätte ein Event mit internationaler Reminiszenz werden sollen, denn Gäste u.a. aus Südafrika, Deutschland, Schweden, den Niederlanden und USA hatten sich angesagt. Doch dann kam die Covid-19-Krise samt Reiserestriktionen, zahlreichen Einschränkungen und Schutzmaßnahmen, die eine Absage bzw. Verschiebung notwendig machten. Im Juni 2021 sollen die Festivitäten nun nachgeholt werden.

1949 paddlerwoche strohmeier mit hut.jpg

Trofaiachs Skijakszene hatte in der jüngsten Vergangenheit wieder einigen Aufschwung erlebt, nachdem der Sport Anfang des Jahrhunderts durch Wegfall der Produktion und mangels Finanzmittel zu verschwinden drohte. Doch das umtriebige Team des ASK RB Trofaiach rund um Gründer Robert Koch und den ehemaligen Skijak-Champions Walter Zechner und Wolfgang Judmaier konnte diese Abwärtsspirale auch dank junger, ambitionierter Skijaksportler, wie Alex und Nick Koch, Joachim Lanner, Lukas Schmid, Stefan Barthofer, Evelyn Heibl umdrehen.

 

Seit einigen Jahren steht den „Wassergehern“ nun mit dem „Austria Skijak Center“ bei Michis Seeschenke am Trabochersee erstmals direkter Wasserzugang zur Verfügung und auch die Nähe zur Mur bei St. Michael entpuppt sich immer mehr als attraktives Betätigungsfeld und Paddelrevier für Profis und Einsteiger.

wassersport am see 2018 hp.jpg
DSC06506.jpg
paddeln1.jpg

Obmann Robert Koch sieht im abgelaufenen Jahr mit all seinen Pandemieproblemen die Vorteile der erlebnisorientierten Sportausübung und eine Bestätigung des bislang eingeschlagenen Weges. „Skijak bietet neben zahlreichen sportmotorischen und gesundheitlichen Aspekten vor allem ein Bewegen in der Natur, das unabhängig von Gruppengröße oder Leistungspotenzial funktioniert. Natürlich macht es in größeren Gruppen mehr Spaß, doch jeder bestimmt den Anreiz und die Einsatzbereitschaft.“

 

Auch die in diesen Zeiten so häufig geforderte „Distance“ ist kein Problem. „Da halten wir schon aufgrund unserer Sportgeräte und Paddel genügend Abstand. Bei Vorbereitung, Transport und Nachbetrachtung regiert dann Verstand“, erläutert der ausgebildete Sportpädagoge und Skijak-Urgestein, der seit Beginn der 1980-er-Jahre dem einzigartigen Sport „verfallen“ ist und das „Wassergehen“ mit seinen Mitstreitern nicht nur in der Region salonfähig machte.

 

Den Saisonabschluss beging man nun schon traditionell mit dem Abpaddeln auf der Mur zwischen St. Michael und Leoben. Die Mur zeigte sich dabei nach vorhergegangenen Regenfällen mit entsprechendem Wasserstand und Fließgeschwindigkeit, anspruchsvollen Wellen und viel natürlichem Spirit. Das war nicht immer so - die Skijaksportler waren mit Protestaktionen in den 1980-er & 1990-er-Jahren maßgeblich daran beteiligt, auf die verheerende Umweltsituation in Steiermarks Hauptfluss aufmerksam zu machen. „Es macht natürlich einerseits stolz und andererseits zufrieden, mitgeholfen zu haben, dem Fluss wieder Leben einzuhauchen“, resümiert Langzeitskijaker Koch die über 35 Jahre anhaltende Affinität zur Mur und ihrem Lebensraum.

 

Mehr über die Sportart sowie das vielfältige Programmangebot des Vereins findet man auch online unter www.skijak.at und www.eisenwadl.at.

 

ALTER MENSCHHEITSTRAUM - MODERNER FREIZEITSPASS

EIN PORTRÄT DER WASSERSPORTART SKIJAK

Wer kann sich vorstellen, wirklich übers Wasser zu gehen ...?

Ein Bericht von Robert Koch

 

Es ist schon etwas Faszinierendes an diesem Mythos, sich stehend auf dem Wasser fortzubewegen. Und die Steiermark gilt als Heimat einer der attraktivsten Wassersportarten, die diesem Mythos sehr, sehr nahe kommt - dem SKIJAK - Sport!

 

Skijak - was ist das?

Eigentlich ganz einfach: Über Wasser gehen, zu wandern, zu laufen ... je nachdem, wie intensiv man es betreiben will. Eines ist richtig! Etwas ausgefallen und nicht alltäglich mutet die Sache schon an. Nicht allerdings in der Steiermark, speziell in Trofaiach, dem Standort des ältesten und größten Skijakklubs der Welt, wo die „Wassergeher“ zum gewohnten Bild der Gewässer gehören - vom tiefblauen Gebirgssee bis zum weißschäumenden Wildfluss.

 

Der Name „Skijak“ bedeutet die Kombination von „Ski“ und „Kajak“; das Kajak als Fortbewegung auf dem „flüssigen Element“ und der Ski als Ausdruck für die aufrechte, sportlich-elegante Körperhaltung dabei.

DSC06417.jpg
skijak italien2.jpg

Was sind „Skijak“?

Es handelt sich um zwei geschlossene bootsförmige Schwimmkörper aus modernster Kunststofftechnik mit schuhähnlicher Sicherheitsbindung. Als Antrieb und Steuer dient ein langes Paddel - ähnlich dem Kajak. Unterschied allerdings, dass man nicht eingezwängt und - möglicherweise - mit „kaltem Hintern“ im Boot sitzt. Dass man durch die „Beinfreiheit“ besseren (Vor)Ausblick besitzt, kann ebenfalls ein Vorteil sein, sowie die Möglichkeit, eventuelle Hindernisse im Wasser notfalls mit der „Grätsche“ zu bewältigen. Und letztlich bleibt immer noch der problemlose Ausstieg in „Notsituationen“ bzw. die Verwendung des Skijaks als „Schwimmhilfe“.

 

Zu erlernen ist Skijak auf keinen Fall schwieriger als vergleichbare Sportarten und das Betätigungsfeld ist unbegrenzt. Hier eine kleine Auswahl: ... eine gemütliche Seewanderung als Abwechslung zum inaktiven Sonnenbaden am Strand ... eine Fahrt am tiefblauen Meer mit Erkundungstour um eine einsame Insel ... ein Ausflug in eine der faszinierenden Fluss-Auen ... oder durch die glasklaren Fluten eines Gebirgsflusses bzw. für den Geübten das sportliche Abenteuer einer Wildwasserbefahrung.

 

Ein Skijak trägt 130 kg und man hat an jedem Bein einen Bootskörper. Aus dem Wechselspiel von Be- und Entlasten entsteht ein Steigen, das verbunden mit dem Paddeleinsatz zu einer runden, kaum kräfteraubenden Gehbewegung führt. Hat man die Technik erst mal raus, sind auch längere Fahrten kein Problem mehr.

alex salza hp.jpg
93 italia cook hp.jpg

„Jung“ ist dieser Sport ebenfalls nicht mehr. Neben zahlreichen Versuchen bereits um die Jahrhundertwende war es der Steirer Harald Strohmeier, der 1930 die ersten brauchbaren „Wasserski“ entwickelte. Zum Unterschied vieler seiner Kontrahenten war er aber von Beginn weg von der Notwendigkeit eines langen Paddels anstelle der Methode mit zwei Stöcken überzeugt. Den Namen „SKIJAK“ trägt seine Entwicklung, die als „aus einzelnen geschlossenen Metallkörpern zusammengesetzter Wassergleitschuh“ 1936 in Wien patentiert wurde, seit 1949.

 

Die moderne Ära des Skijaksports wurde 1980 an der Sportuniversität Graz eingeleitet, als im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit das Sportgerät einer breiteren Öffentlichkeit zugeführt wurde. Im Laufe der Modernisierung in puncto Herstellung und Ausstattung wurde Skijak Anfang der 80er Jahre auch in Deutschland, Schweiz, Niederlande, Schweden u.a. bekannt. Auch in die USA gabs Exporte.

 

Der älteste und größte Skijakverein Österreichs und sogar weltweit kommt aus Trofaiach, ca. 10 km nordwestlich von Leoben, und im Jahre 2021 begeht der Verein das aus „Covid-19-Gründen“ verschobene 90-Jahr-Jubiläum des Skijaksports und die 25. Wiederkehr des Todestages von Erfinder und Pionier Harald Strohmeier (1912 – 1995).

 

PS.: Wer mehr über Skijak und die aktive Möglichkeit, diesen Sport auszuüben, wissen bzw. sich informieren möchte, kann dies unter folgenden Kontakten tun:

ASK RB Trofaiach, Waldstraße 9, A – 8793 Trofaiach

www.skijak.at

robert.koch@skijak.at

0650/381-5-381

 

Event-Tipps 2021:

24.4.: Saisonstart mit dem Anpaddeln auf der Mur zwischen St. Michael und Leoben

3. bis 6.6.:  Strohmeier Memorial

5. 6.: Trabocher Skijak-Grand-Prix mit Veteranenrennen

18. bis 22.8.:  Skijakcamp & Outdoortage Obervellach im Mölltal

murchallenge18-03.jpg
 

ERINNERUNGEN ZUM 25. TODESTAG VON HARALD STROHMEIER

Von den „Strohmeierschifferln“ zum Skijak

Von Robert Koch

 

1995. Wenige Wochen vor seinem Tod hatten die beiden Trofaiacher Skijak-Pioniere Robert Koch und Rupert Seitner das Glück, Erfinder Harald Strohmeier in seinem Haus in Kapfenberg besuchen zu dürfen.

 

Gezeichnet von mehreren Schlaganfällen war der 83-Jährige noch immer voller Tatendrang und Visionen … von leichteren Materialien, kürzerer Bauweise und und und … war die Rede. Und so wird er in Erinnerung bleiben!

1995 letztes foto mit koch + seitner hp.

Ein Jahr zuvor war er zum letzten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen, als der Allgemeine Skijak-Klub (ASK) Raiffeisen Trofaiach eine Fotoausstellung in der Raiffeisenbank Trofaiach anlässlich des 10-jährigen Klubbestehens eröffnete. Voller Stolz und Freude konnte er das Ergebnis seines „Wassersport-Lebens“ und die Weiterführung durch den ersten heimischen Skijakverein bewundern.

1994 raiffeisen jubiläum 10 jahre (7).jp
1994 raiffeisen jubiläum 10 jahre (2).jp

Seinen „Memoiren“ entstammt das Vermächtnis, wie seine riesige Affinität zu Wasser und Schiffahrt entstand. Im Alter von 8 Jahren kam Harald Strohmeier in den bitteren Nachkriegszeiten zur Pflege nach Holland, wo er von seinem Mansardenfenster aus die Fischerboote auf der Zuidersee beobachten konnte und ihn eine große Sehnsucht danach erfasste. „Ich bin durchgebrannt und wollte Schiffsjunge werden – im Hafen von Huize wurde ich von den Fischern nur ausgelacht und mein Pflegevater hatte mich bald wieder eingefangen.“ Doch die Sehnsucht blieb.

 

Als 1929 bei Pernegg an der Mur ein Kraftwerk mit Stausee entstand, ging er sofort daran ein Segelboot zu bauen. Dank seiner überdurchschnittlichen handwerklichen Fähigkeiten gelang dies mit Erfolg und als begeisterter Skifahrer begann er 1930 zusätzlich mit dem Bau von Wasserskien. „Ich ging dabei meinen eigenen Weg und machte nicht die Fehler der mir bislang unbekannten Vorgänger!“

 

Die „Fehler“ waren zumeist zu kurze Bootskörper mit zu flachen Böden oder dem Einbau von Klappen zur Stabilisierung. Auch wurden durchwegs zwei Stöcke verwendet … für Strohmeier war bald klar, dass nur ein Paddel den notwendigen Vortrieb schaffen konnte. „Ich baute mir zwei 2,8 m lange, schlanke Kajaks bestehend aus einem Holzgerüst, das ich mit Stoff bespannte. Durch einen Farbanstrich wurde die Bespannung wasserdicht gemacht.“

 

Seine ersten Versuche im Schwimmbad Kapfenberg endeten jäh, als sich die Imprägnierung löste und ihn der Bademeister verjagte. Nach nächtlicher Reparatur stand der nächste Schritt am Programm: „Am nächsten Tag fuhr ich gleich ein Stück die Mürz hinunter!“

1930 erstversuche (3) hp.jpg
1931 chronik (4)hp.jpg

Sein langjähriger Weggefährte Herbert Reif schilderte eines seiner intensivsten Erlebnisse mit dem „Wasserskiverrückten“ Harald Strohmeier in den Anfängen der 1930-er Jahre: „Eines meiner aufregendsten Erlebnisse in der Studienzeit in Leoben war der Versuch, die Floßgasse des Krempelwehres zu durchfahren. Als Aufpasser erlebte ich, wie die Wogen über Harald zusammenschlugen. Ich hatte Angst um sein Leben … er wurde jedoch glücklicherweise auf einer Sandbank angeschwemmt – unverletzt.“

1931 murwehr hp.jpg
1930 strohmeierschifferln auf der naab.j

Zwischen 1934 und 1936 wurde diverse „Meilensteine“ gesetzt. Die Entwicklung der „Strohmeierschifferln“ war soweit gediegen, dass Strohmeier bereits größere Wanderungen unternehmen konnte. So befuhr er die Traun von Hallstadt bis zur Donau und weiter nach Wien. „Mein Reisegepäck, Kochzeug und ein kleines Zelt hatte ich in den Wasserskien verstaut.“ Dank der starken Strömung konnte er täglich über 100 km zurücklegen. Auch 1935, als er auf der Enns von Hieflau bis zur Mündung und weiter auf der Donau bis Wien fuhr. Dies waren auch seine ersten, wirklich schwierigen Wildwasserbefahrungen.

1935 besuchte er erstmals das Patentamt in Wien und studierte die vorhandenen Patente. „Ich war überrascht, was es da schon an Wasserskipatenten gab …“. Er brachte seine Konstruktion zur Anmeldung und im Jahr 1936 wurde ihm tatsächlich das Patent auf „Aus einzelnen, geschlossenen Metallhohlkörpern zusammengesetzter Wassergleitschuh“ erteilt.

1936 strohmeier wassergleitschuh hp.jpg
Auch ein Zelt hatte Platz im Skijak
1936 traun hp.jpg

Die Einzigartigkeit des Harald Strohmeier dokumentieren Schilderungen seines Sohnes Bernd über Italienurlaube per „Puch-Roller“ aus den Jahren 1956 bis 1958:

„Er hatte das Zelt vorne zwischen den Füßen und noch ein paar aufblasbare Skijaks mit dabei - mit dem Paddel seitlich am Roller. Wir waren total überladen und auf den Dolomiten-Pässen mussten wir bei jedem Pass unterwegs stoppen um den Motor zu kühlen.

In Venedig paddelten wir abwechselnd am Canale Grande und die kleinen Kanäle bei den Glasbläsern vorbei. Die konnten es nicht glauben, dass man stehend am Wasser paddeln kann und bewarfen uns mit Holzstücken, damit wir reinfallen, aber es gelang ihnen nicht.“

1957 puchroller hp.jpg
1956 venedig.jpg

In den 1960-er und 1970-er Jahren entwickelte der Böhler-Ingenieur seine „Skijaks“, die ihren Namen seit 1949 trugen, kontinuierlich weiter und die Herstellung wuchs um 1980 von der Einzelproduktion zur maschinellen Fertigungstechnik. Die moderne Ära des Skijaksports wurde 1981 eingeleitet, als im Zusammenhang mit der Erstellung einer Diplomarbeit an der Sportuni Graz Testpersonen gesucht wurden.

 

Diese Aktivitätswelle und das Anwachsen der „Skijakfamilie“ bildet bis heute die Basis für den Erhalt des Sports. Vor allem dem ASK Raiffeisen Trofaiach als einzigem verbliebenen Skijakverein der Welt und seinen umtriebigen Skijakfreunden ist es zu verdanken, dass der Sport auch 25 Jahre nach Wegfall der Produktion und vor allem nach dem Tod von Harald Strohmeier noch existiert. Jetzt ist es allerdings an der Zeit neue Impulse und auch einen neuen Anlauf in Sachen Produktion zu setzen … die Erhaltung dieses weltweit einzigartigen Sports und seiner unbegrenzten Anwendungsmöglichkeiten haben es sich mehr als verdient.

1985 holland + netti zijp hp.jpg
1981 trabochersee-sitzen am steg hp.jpg
 

IDEEN ZUM „WASSERGEHEN“ IN DER KALTEN JAHRESZEIT

Skijak als Wintersport?

Von Robert Koch

 

Jetzt mal Hand aufs Herz – was spricht dagegen, sich an – den leider in jüngster Vergangenheit zu oft vorkommenden – milden Wintertagen auf dem Wasser zu bewegen? Nichts. Denn angemessene Kleidung und entsprechende Ausrüstung benötigt man für jede Aktivität in der kalten Jahreszeit … quod est demonstrandum.

Allen Anhänger des Skijaksports sind einige Details allgegenwärtig, die im Vergleich zu den Kajaksportlern von enormem Vorteil sind. Nackte Fakten. Beim „Stehboot-Paddeln“ ist man mit Kopf und Händen sehr weit von der Wasserfläche entfernt, ist sozusagen besser gegen „Spritzwasser“ geschützt und besitzt eine ungleich höhere Blickperspektive. Bekannt ist auch der Umstand, dass sich die Lufttemperatur in Wassernähe aus Gründen der „Isostasie“ stets milder gestaltet, am „wärmsten“ ist es bei Temperaturen um den Nullpunkt übrigens im Wasser … vergleichsweise findet man in fließenden Gewässern oft noch Temperaturen von 5 – 10°C vor.

1984 abpaddeln hp (5).jpg

Auch das „Stehen“ im Boot ist dabei ungleich angenehmer als das „Sitzen“, schon bei Ein- und Ausstieg sind die Vorteile ungleich besser, wenn man mit dem Skijak „trockenen Fußes“ in oder aus dem Wasser steigt! Und der hohe Aktivitätspegel auf den Skijaks und seine Ganzkörperbewegung wussten schon die „Wasserskifahrer“ der Vergangenheit zu schätzen.

„Auch im Winter in frischer guter Luft kann man diesen schönen und gesunden Sport im Freien ausüben, da durch die den Körper gleichmäßig erfassende Bewegung, wie beim Schneeschuhlauf, genug Eigenwärme erzeugt wird. Es ist ein Hochgenuß und bildet einen ganz besonderen Reiz, im Winter die dunklen Wasserstraßen inmitten der weißglitzernden Schneeflächen zu durchwandern.“

 

Wie wahr! Diese Zeilen schrieb übrigens ein gewisser M. Mitter unter dem Titel „Wasserskilauf im Winter“ in der Zeitschrift „Fluß und Zelt“. Und das vor genau 90 Jahren – 1930!

FluZ_1930_31_H15_HD-15-wasserskilauf im

Schon damals gab es in unserem Land eine sehr lebendige Szene der „Wassergeher/Wasserläufer“, die sich am Beginn der 1910-er-Jahre in Bayern entwickelte, im Kernbereich des Deutschen Reiches um Berlin – Potsdam fortsetzte und ab Mitte der 1920-er-Jahre vor allem in Österreich auf große Ambitionen stieß.

 

Die österreichische Version des großdeutschen „Wassergleitschuhs“ nannte sich „Hy-Ski“ und fand rasch große Popularisierung im Wiener Raum. Der Grund lag in der engen Verstrickung der Ambitionen der „Wasserskiläufer“ mit Polizei, Bundeswehr, Wasserrettung und Katastrophenschutz, was zu einem rasch ansteigenden Potential an Sportler und Interessenten führte. Auch die Präsenz in den Medien und die Nähe zu Politik und Staatsführung halfen mit, schon bald zum „Establishment“ des österreichischen Sports zu gehören.

FluZ_1930_31_H15_HD-16-wasserskilauf im

M. Mitter machte sich auch weitere Gedanken zu Trainingseffekt und Fitnessgedanken:

„Sehr viele Wassersportler, welche sich für den Wasserskisport interessieren und auch richtig erkannten, daß er ein ausgezeichnetes Mittel zur Erhaltung und Verbesserung ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit ist, warfen oft die Frage auf „Wann soll man das Wasserskilaufen erlernen, im Sommer oder im Winter?“

Natürlich ist der Skijaksport bevorzugt für wärmere Jahreszeiten geschaffen, aber es spricht auch nichts gegen winterliche Einsätze, zumal es zunehmend längere Phasen mit sehr milden Temperaturen und wenig Niederschlag gibt. Die Ausrüstung kann den Bedingungen beim Skilanglauf oder Joggen angepasst sein, zusätzliche Neoprenkleidung schafft Sicherheit und man findet im Winter ja auch eine stetig wachsende Zahl an Radsportlern auf den Straßen – denn einen Vorteil hat das Element Wasser immer: mit Ausnahme des gefrorenen Zustandes präsentiert sich die „Unterlage“ stets in gleicher Qualität … ideal zum Gleiten mit Skijaks über Wellen und Wogen.

1984 abpaddeln hp (9).jpg

Mitte der 1980-er-Jahre unternahmen wir beim Skijakverein Trofaiach auch erste diesbezügliche Versuche auf der Mur. Schon 1984 paddelten wir bei winterlichen Verhältnissen von Hinterberg nach Leoben, wodurch sich das traditionelle „Klub-Abpaddeln“ im ASK begründete. Und mehrmalige Teilnahmen am bekannten „Weihnachtsschwimmen“ der Leobner Wasserrettung im Zentrum der Stadt waren am 23. Dezember stets von einer Riesenzahl an Schaulustigen begleitet, die sich im weihnachtlichen Einkaufs-„Rausch“ auf den Straßen befanden. Inwieweit sich die mitmachenden Protagonisten danach ebenso in einem solchen wiederfanden, ist nicht dokumentiert …

1984 abpaddeln hp (3).jpg

Weitere Versuche der winterlichen Anwendung des Skijaksports sind ebenfalls dokumentiert. Diesmal war die Unterlage allerdings Schnee - so kam es in den Jahren 1984 und 1985 zu Faschingsläufen am Präbichl, wo es in Super-G-ähnlicher Manier eine Parcours am „Stockhang“ im Grübl zu bewältigen gab. Auch fotografisch festgehalten sind „Skijak-Abfahrten“ bei den UNO-Truppen auf Zypern durch Skijak-Urgestein Günther Sakoparnik und Trainingsläufe von Skijak-Champion Bertl Griesebner auf dem Trofaiacher "Friedhofshügel".

84-ask0232hp.jpg
1987 zypern sakoparnik schnee hp.jpg
1996 friedhofshügel trofaiach hp.jpg

Für heuer ist erstmalig wieder ein weihnachtlicher „Paddelgang“ im Herzen Leobens geplant. Infos und Details sind der örtlichen Presse zu entnehmen bzw. online unter https://www.skijak.at/programmkalender

1987 zypern schnee hp.jpg

Quellennachweis: KLUBCHRONIK des ASK Raiffeisenbank Trofaiach / PRIVATARCHIV ROBERT KOCH WASSERSKILAUF IM WINTER von M. Mitter, Wien (Gefunden in: „Fluß und Zelt“, Zeitschrift für Flußwandern, Freiluftleben und Kleinboot-Segeln, 1930/1931, Heft 15, Dezember 1930, 5. Jahrgang, Bergverlag Rudolf Rother, München)

 

SKIJAK-STORY IN TSCHECHISCHEM WINTERSPORTMAGAZIN

Ex-Skijak-Champion Petr Kakes erinnert sich

Von Robert Koch

 

Unter dem Titel „Skijak – mit tschechischem Fußabdruck“ erscheint 2021 in der März-Ausgabe des bekannten tschechischen Wintersportmagazin „Snow“ eine ausführliche Reportage über den Skijaksport. Ex-Regattachampion und Ärmelkanalbezwinger Petr Kakes erinnert sich dabei an seine Karriere auf den „Skiern, die schwimmen können“ und legt ein eindeutiges Bekenntnis zu Vorzügen und Reiz des „Wassergehens“ ab.

1985 kakes rennen hp.jpg
1985 kakes action hp.jpg

Er ist seit den 1990-er-Jahren in die USA ausgewandert, zuvor war er als Mitglied der tschechischen Skinationalmannschaft, als „Geschwindigkeitsrekordler“ unter den Amateur-Skifahrern und Olympiateilnehmer von Albertville auf „Speedski“ (Filmausschnitt ab 28,50 min.) bekannt … die Skijakszene kennt ihn aber als einen der besten und erfolgreichsten Skijaksportler der frühen Rennhistorie – Petr Kakes. Natürlich ist das Lesen der unterhaltsamen Geschichte im Wintersportmagazin nicht einfach, da der Text in Tschechisch verfasst wurde, doch Petr Kakes erläutert die wichtigsten Aussagen für uns auf Deutsch.

skijakstory kakes1hp.jpg
skijakstory kakes2hp.jpg

Neben Daten zur mehr als 90-jährigen Geschichte des Skijaksports und seine Entwicklung finden sich in der doppelseitigen Story auch Fotos aus dem Archiv Kakes und einige unterhaltsame Episoden. So erzählt er ausführlich über das Abenteuer der Ärmelkanalüberquerung 1983 oder über sein Kennenlernen der „Wasserski“. Kakes: „Auf Einladung eines Skikollegen landete ich 1983 bei den Österreichischen Meisterschaften in Wildalpen an der Salza. Der Erfinder der Skijaks, Harald Strohmeier, startete beim Rennen 1 Minute vor mir, damals war er über siebzig Jahre alt. Wir fuhren in Abständen etwa 12 km den Fluss hinunter. Zu der Zeit wusste ich nicht, wer er war, aber ich war sehr überrascht, sogar frustriert, dass dieser immer noch aus der Sicht meines Großvaters davonlief und ich ihn nicht einholen konnte. Bei Gegenwind beugte er sich immer geschickt vor, reduzierte den Luftwiderstand und entschwand meinen Augen. Während des Rennwochenendes hatte ich jedoch die Gelegenheit, ihn zu treffen und etwas über seine Geschichte zu erfahren.“ (Anm.: 11. Harald Strohmeier 33,02 min., 13. Petr Kakes 33,07 min.)

1983-ärmelkanal foto (24).jpg
1985 kakes prospekt hp.jpg

Er erzählt auch von seinen Erstbefahrungen in Bayern auf der Loisach, wo er die wirklich schwierigen Befahrungen lernte, und davon, dass er jetzt nach rund 40 Jahren gerne mithelfen möchte, dass die Erinnerung an diesen Sport, der seit dem Tod von Erfinder Harald Strohmeier und dem wirtschaftlichen Niedergang der Produktionsfirma leider keinen notwendigen Investor zur Neu-Produktion finden konnte, erhalten bleibt. „Skijak ist seit damals eine meiner Herzensangelegenheiten und hat mir tolle Werte für Freizeit, Sport und Alltag bis heute vermittelt.“ Kakes fährt heute noch regelmäßig in seiner Wahlheimat Oregon auf Wildwasser und möchte auf jeden Fall bei einem „Strohmeier Memorial“ – so es stattfinden kann – dabei sein.

 

Skijak ist eine ideale Ergänzung auch zum Erlernen des Skifahrens, das Halten des Gleichgewichts und das Training für die Bänder in Knie und Knöchel sind unvergleichlich. Für mich war es stets auch eine perfekte Möglichkeit, typischen Ski-Knieverletzungen oder auch den Belastungen bei Wandern und Laufen vorzubeugen!“ Auch spricht Kakes davon, dass aus seiner Sicht der sportliche Wert sehr hoch ist, egal ob auf Seen, Flüssen oder im Wildwasser. „Es ist eine gesunde und anspruchsvolle Tätigkeit, die von großem Charme und Naturverständnis begleitet wird.

 

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Danke Petr.

 

WELTWASSERTAG UND SKIJAK-ERINNERUNGEN

Vom rauschenden Wildbach zur stinkenden Kloake

Von Robert Koch

 

Seit 1993 begehen die Vereinten Nationen (seit 2003 UN-Water) am 22. März den „Weltwassertag“, der seit seinem Start viel bewirkt hat. Heuer steht er unter dem Motto „Wert des Wassers“ und schon in den 1980-er Jahren waren Skijaksportler des ASK Raiffeisen Trofaiach maßgeblich daran beteiligt, auf die katastrophale Umweltsituation von Steiermarks Hauptfluss, der Mur, aufmerksam zu machen. Unter der Devise „vom rauschenden Wildbach zur stinkenden Kloake“ setzten sich die Skijaksportler zwischen 1984 und 1991 mehrfach den teilweise stark verschmutzten Wellen des Flusses aus und durchquerten das Land per Skijaks von Predlitz bis Graz bzw. Spielfeld.

murbefahrung titelfoto hp.jpg

Während die Problematik um das Wasser weltweit eine Vielzahl von unterschiedlichsten Facetten kennt, war in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Qualität des Murwassers von den zahllosen Industriebetrieben entlang des Hauptflusses betroffen. Speziell die Papierfabriken in Pöls und Gratkorn sorgten für die „Verwandlung“ in eine der größten „Flusskloaken“ Mitteleuropas.

 

Schon 1984 begründete der ASK mit dem 1. Abpaddeln zwischen Hinterberg und Leoben die bis heute andauernde Tradition der „Murbefahrungen“ und schon damals wollte man die starke Umweltbelastung des Flusses nicht tatenlos hinnehmen. 1985 kam es zur ersten großen Protestaktion im Rahmen der „1. Skijak Steiermark-Durchquerung“ von Predlitz bis Spielfeld. Rund 15 Skijaksportler nahmen an der 5-tägigen Tour über 250 Kilometer in 9 Etappen teil und machten auf die Problematik aufmerksam ... zum ausführlichen Bericht!

1985 stmk-dq chronik (29) hp.jpg
1985 stmk-dq chronik (1)hp.jpg

1986 in Kooperation mit den Steirischen Naturfreunden und 1991 mit der Gewerkschaftsjugend des ÖGB wurden diese Aktionen fortgesetzt und medienwirksam die Wasserverschmutzung akklamiert. Vor allem die Aktion mit dem ÖGB Steiermark brachte erhöhte Aufmerksamkeit in Medien und Politik, es wurden Kundgebungen vor Ort abgehalten, die Wasserqualität ständig gemessen, ein Video gedreht und die Aktivisten von Bürgermeister Stingl ins Grazer Rathaus eingeladen ... mehr dazu hier!

1986 mur protestfahrt (10) hp.jpg
1991 steiermarkfahrt ögb hp (2).jpg

Die Skijaksportler des ASK sind bis zum heutigen Tag höchst aktive Betreiber von Murbefahrungen. In den 1990-er-Jahren wurden Regatten in Ramingstein, Murau und Leoben durchgeführt und traditionell zu Saisonbeginn und Saisonabschluss gehen Paddeltouren zwischen Preg – St. Michael – Leoben in Szene. Auch an der seit 2018 durchgeführten „Mur-Challenge“ nehmen Skijaksportler regelmäßig teil und bleiben ihrer Linie treu.

Am 2. Mai 2021 wird es wieder so weit sein, wenn es heißt „angepaddelt wird“ !

murchallenge18-03.jpg